Biogaserzeugung – Fluch oder Segen?

Lieber hören als lesen ?

Es gibt wohl kaum ein umstritteneres Feld bei den „Erneuerbaren Energien“ als das Thema Biogas. Hier gelingt es den Betreibern der Anlagen nur schwerlich die ökologische Fraktion der Disputanten abzuholen. Zu gewichtig sind deren Einwände.

Weitgehend unumstritten sind Anlagen, welche Biomüll und Grüngut aus der Abfallentsorgung verarbeiten, da hier die Ausgangsstoffe ohnehin anfallen und damit einer nachhaltigen Nutzung zugeführt werden. Wenn dann noch Abnehmer für die, bei der Stromproduktion anfallende Abwärme in wirtschaftlicher Entfernung verfügbar, sowie ein hoher Eigennutzungsanteil beim Strom gegeben ist, dann ist die Ökobilanz in Ordnung.

Ein Hauptargument der Biogasanlagen-Betreiber: Sie würden die einzige Erneuerbare Energie erzeugen, die regelbar und speicherbar ist. Somit könnten sie die Aufgabe konventioneller Kraftwerke übernehmen, die Versorgungsschwankungen bei Wind-, und Sonnenstrom auszugleichen. Zudem würden sie nicht nur Strom sondern auch Wärme (Abwärme) produzieren.

Kritik setzt an dem Punkt an, wo laut den Gegnern der mögliche Schaden einen Nutzen überwiegt.

Landwirtschaftliche Biogas-Anlage

Da wäre zum Einen der Landverbrauch und die Umnutzung von Weide-, oder Wiesenflächen in Ackerland zum Zwecke des Anbaus von Mais oder Zuckerrüben als Energiepflanzen. Neben der Förderung einer Monokultur verarme zudem der Boden an Nährstoffen. In Folge dieser Entwicklung findet über die Subventionen für Biogas auch eine Marktpreisverzerrung der Pachten für diese landwirtschaftlichen Flächen statt.

Dies hätte sogar einen Einfluss auf die Versorgung des Landes mit Nahrungsmitteln. So müsste wegen des lukrativeren Anbaus von Energiemais befürchtet werden, dass es zu einer Unterdeckung in der Selbstversorgung mit Getreide kommen würde.

Fast humoristisch wirken dem gegenüber Vermeldungen, mit denen auf das Potential von Biogas zur Förderung der Artenvielfalt aufmerksam gemacht wird. Stütze für diese Argumentation war ein Landwirt und Anlagenbetreiber, welcher am Rande seines Energiemaisfeldes einen schmalen Streifen Wiesenblumen ausgesät hatte.

Überhaupt sei, laut der Kritiker, eine überzogene Förderung die treibende Kraft für die Attraktivität dieser Entwicklung. Tatsächlich sind die Einspeisevergütungen nach EEG für den Biogas-Strom erheblich. Eine Konkurrenzfähigkeit unter normalen Marktbedingungen wäre nicht ansatzweise gegeben. Betriebswirtschaftlich scheint die Rechnung wohl in den meisten Fällen aufzugehen, volkswirtschaftlich bleibt sie sehr umstritten. Bleibt zu hoffen, dass sich der prognostizierte Schaden in Grenzen hält.

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