Die Wissenschaft

Laut der, von Karl Popper (*1902, †1994) begründete philosophische Denkrichtung des Kritischen Rationalismus, hat

– eine Theorie nur so lange Bestand, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Eine sehr ernüchternde Betrachtungsweise; welche jedoch auch davor bewahren kann, allzu bereitwillig allem den Glauben zu schenken was einem unter dem Siegel der Wissenschaft dargeboten wird.

Ein schönes Beispiel ist der Mythos welcher besagte, dass Spinat sehr viel Eisen beinhalte.

(Die Korrekturbegründung mit dem verrutschten Komma stimmt übrigens auch nicht).

Im Jahre 1890 ermittelte der Physiologe Gustav von Bunge mit 35mg pro 100g einen außergewöhnlich hohen Eisengehalt beim Spinat. Der Wert war nicht falsch, bezog sich jedoch auf getrockneten Spinat. Aufgrund des hohen Wassergehaltes ist der Wert von frischem Spinat um mehr als den Faktor 10 geringer.

Eine Fehlinterpretation die für Generationen als Begründung für die Sinnfälligkeit des Spinatverzehrs herhalten musste.

»Niemand ist weiter von der Wahrheit entfernt als derjenige, der alle Antworten weiß.«

Zhuangzi

Eine immer beliebter werdende Unart in öffentlichen Diskussionen ist es, sich auf „die Wissenschaft“ zu berufen, um damit den eigenen Standpunkt zu bestätigen. Dem zu erwartenden Widerspruch der Disputanten soll angesichts der vermeindlichen Expertise einer übergeordneten Instanz der Boden entzogen werden.

Gibt es „Die Wissenschaft“ als ein Gebilde vereinter Erkenntnis?

Wäre es nicht ein Widerspruch in sich, wenn sich gerade die Akteure des Suchens nach Erkenntnissen allzu voreilig auf das Erreichen des Zieles verständigen würden.

»Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat.«

Kurt Tucholsky

image_pdfimage_print