Radon 222 (2)

Sanierung bei Radonbelastung

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Radon ist ein natürliches, überall vorkommendes, radioaktives Edelgas und tritt vermehrt in Gebieten mit höheren Urangehalten im Boden auf. Dabei hat Radon den höchsten Anteil an der natürlichen Strahlenbelastung für den Menschen; ist also gesundheitsrelevant.

Die regionale
Verteilung der Radonkonzentration in der Bodenluft gibt Aufschluss
darüber, in welchen Regionen mit einer erhöhten Radonkonzentration
in der Raumluft zu rechnen ist.

Mit der unterschiedlichen Struktur der Böden schwankt auch die Konzentration in der Radon aus dem Boden nach oben gelangt.

Es zeigt sich, dass vor
allem Gebiete in Süddeutschland, im Mittelgebirge, aber auch in
Sachsen erhöhte Messwerte aufweisen.

Zwar können Risikogebiete (wegen des geologischen Potentials) auf eine erhöhte Gefahr hinweisen. Die Prognose der Radonkonzentration erlaubt jedoch keine Aussagen darüber, wie hoch die Belastung auf einzelnen Grundstücken oder in einem bestimmten Haus ist.

Risikogebiete

Einen ersten Anhaltspunkt, ob mit erhöhten Radonkonzentrationen in der Raumluft bestehender Gebäude gerechnet werden muss, kann über eine landkreisbezogene Einteilung des Radon-Risikos eingesehen werden.

Die hier gegebenen Empfehlungen beruhen auf einer Abschätzung, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Radonkonzentration von 100 Bq/m3 in der Raumluft überschritten würde.

Allerdings ist in diesen Problembezirken nur ein erhöhtes Risiko gegeben – ob Radon für die jeweiligen Bewohner gefährlich wird, hängt davon ab ob es tatsächlich ins Haus gelangt.

Einflussfaktoren auf die Radonkonzentration in Innenräumen

Die durchschnittliche
Radonkonzentration beträgt in Deutschland in Innenräumen etwa 50
Becquerel pro Kubikmeter Luft. Die Messwerte reichen von einigen
wenigen bis zu mehreren tausenden Becquerel pro Kubikmeter. Die Höhe
der Konzentration hängt von vielen Faktoren ab:

Durch die Einheit Bq wird die Anzahl der Atomkerne ausgedrückt, die pro Sekunde zerfallen. Dies ist ein Maß für die Radioaktivität eines Mediums.

Neben der
Zusammensetzung von Boden und Gestein spielt vor allem die
Durchlässigkeit des Untergrunds eine wichtige Rolle.

Entscheidend auch die
Durchlässigkeit des Gebäudes mit seinen erdberührenden Bauteilen
gegenüber Radon. Spalten und Risse sowie die Durchdringungen von
Ver- und Entsorgungsleitungen sind Zugangswege für das Radongas.
Auch bei kleinen undichten Stellen im Fundament kann Radon durch
einen im Gebäude entstehenden Unterdruck angesaugt werden.

Auch der Austausch der
Raumluft durch Außenluft spielt eine wesentliche Rolle bei der
Radonkonzentration. Wird der Luftwechsel verringert, beispielsweise
durch ungenügendes Lüften, oder auch durch den Einbau dicht
schließender Fenster und Türen, kann die Raumluftkonzentration von
Radon erheblich ansteigen, wenn vorhandene Radonzutrittswege nicht
abgedichtet werden.

Die Vorgaben der
Energieeinsparverordnung (EnEV) kann in diesem Zusammenhang mit der
Forderung nach dichter Bauweise zu einem verringerten Luftwechsel und
damit zu einer Erhöhung der Raumluftkonzentration (auch anderer
Luftschadstoffe) führen.

Aufschluss über eine
mögliche Belastung gibt einzig und allein eine Messung der
Radonkonzentrationen in den Räumen des Gebäudes.

Aufschluss über eine mögliche Belastung gibt einzig und allein eine Messung der Radonkonzentrationen in den Räumen des Gebäudes.

Messung der Radonkonzentration

Die Messung von Radon
in Innenräumen erfolgt in der Regel mit Kernspurexposimetern.

Eine solche Messung zum
Zweck der Bewertung eines Langzeitmittelwertes ist einfach und
preisgünstig durchzuführen; vergleichbar mit dem Ablauf in der
Analogfotografie; also dem Ankauf eines Filmes inklusive der
Dienstleitung der Entwicklung.. Die Exposimeter können bei
sogenannten „Messstellen“ (Labore) bezogen werden und werden
bevorzugt in Aufenthaltsräumen mit Erdberührung (Keller,
Erdgeschoß) platziert. Die Messung sollte mindestens 3 Monate und
während der Heizperiode durchgeführt werden. Nach Rücksendung
werden diese ausgewertet und das Ergebnis mitgeteilt.

Hinweise zu den
anerkannten Messstellen zum Bezug von Exposimetern findet man
beispielsweise auf der Webseite des Bayerischen Landesamtes für
Umwelt (LfU Bayern). Hier findet sich bei Bedarf auch eine Liste
zertifizierter Radon-Fachpersonen, welche vom LfU speziell
ausgebildet wurden. Auch das Bundesamt für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit (BMU) oder das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
geben Auskunft.

Keine gesetzlichen Grenzwerte

Da es in Deutschland
bislang noch keine verbindlichen Grenzwerte gibt, wird in Fachkreisen
abhängig von den Messwerten folgendes empfohlen:

Über 1000 Bq/m3 sind
Sofortmaßnahmen angeraten; das bedeutet in Wohnräumen und solchen
für einen ständigen Aufenthalt eine umfangreiche Radonsanierung.
Über 400 Bq/m3 gegebenenfalls Sofortmaßnahmen in einfacher Form
(z.B. Erhöhung der Luftwechselrate); Planung und Durchführung von
Radonschutzmaßnahmen angeraten. Über 100 Bq/m3 Planung und
Durchführung von Radonschutzmaßnahmen empfohlen. Unter 100 Bq/m3
sind keine Maßnahmen erforderlich.

Die möglichen
Maßnahmen reichen von sehr einfachen Methoden bis hin zu aufwendigen
Baumaßnahmen. Dies geht von der möglichen Umnutzung betroffener
Aufenthaltsräume wenn sich diese im Kellergeschoss befinden,
Verstärktem manuellen Lüften, dem Verschließen von sichtbaren
Öffnungen und Rissen, über kontrollierte Lüftungsmaßnahmen, der
Verhinderung der Gasausbreitung in die oberen Geschosse, bis hin zu
großflächigen Abdichtungen der erdberührten Bauteile oder
Luftabsaugung unter dem Gebäude.

Radonsanierungen sind
Einzelfallentscheidungen, können aber oftmals auch mit vertretbaren
Kosten erfolgreich durchgeführt werden.

Die beratenden
Fachleute sind angehalten mit den im Einzelfall kostengünstigsten
Möglichkeiten zu beginnen und deren Wirksamkeit mit nachfolgenden
Kontrollmessungen zu überprüfen und zu dokumentieren.

Teil 3 des Artikels
wird sich mit den präventiven Vorkehrungen im Neubau sowie weiterer
Informationen und Empfehlungen befassen.