Radon 222 (3)

Prävention im Neubau

Artikel 3 von 3

Der dritte Teil der Artikelserie über das radioaktive Edelgas Radon befasst sich mit den möglichen Vorsorgemaßnahmen beim Neubau von Gebäuden.

Die Notwendigkeit, diese Präventivmaßnahmen in die Bauplanung einzubeziehen, ergibt sich aus der gesundheitlichen Relevanz für die Bewohner bei erhöhter Radonbelastung. Der zusätzliche bauliche Aufwand ist dagegen vergleichsweise niedrig.

Die regionale Verteilung der Radonkonzentration in der Bodenluft gibt Aufschluss darüber, in welchen Regionen mit einer erhöhten Radonkonzentration in der Raumluft zu rechnen ist.

Die Kenntnis über das zu vermeidende Risiko und die Sensibilisierung der Baubeteiligten für das Thema ist bereits der erste entscheidende Schritt, da üblicherweise weder die Bauplaner noch die Bauausführenden das radonsichere Bauen auf ihrer Agenda haben.

Die Hinzuziehung einer Radon-Fachperson bereits in der Phase der konzeptionellen Planung ist angeraten, denn eine ganze Reihe von Rahmenbedingungen und Vorgaben beeinflussen auch die Schutzmaßnahmen gegenüber Radon.

Prävention ist in jedem Fall billiger als nachträgliche Sanierung!

Die folgenden Fragen sollten im Vorfeld abgeklärt werden, um die Radonfrage wirksam und kostenoptimal zu lösen:

Befindet sich das Bauvorhaben in einem ausgewiesenen Radongebiet?

Hauptquelle für die Radonkonzentration in Räumen ist die aus dem Erdreich durch Undichtigkeiten in das Gebäude eindringende radonhaltige Bodenluft. Unterschiedliche Konzentrationen des Radons in der Bodenluft sind auf geologische sowie anthropogene Ursachen zurück zu führen. Ein mathematischer Zusammenhang zwischen der Radonkonzentration im Erdboden und in der Raumluft besteht dagegen nicht, da die Undichtigkeit der Gebäudehülle maßgeblichen Einfluss hat. Diese Klassifizierung beeinflusst aber das Ausmaß der präventiven Maßnahmen.

Gibt es Radonprobleme in der Nachbarschaft?

Die Situation von Nachbarhäusern kann zwar nicht unbesehen übernommen werden. Sie gibt aber doch gewisse Hinweise.

Aus welchem Material besteht der Baugrund?

Zerklüftete oder sonst gut durchlässige Baugründe bergen ein erhöhtes Radonrisiko, auch außerhalb von ausgewiesenen Radongebieten. Eine lehmige Baugrube bietet dagegen gute Voraussetzungen für ein geringes Radonrisiko.

Wie ist die Raumnutzung geplant?

Übermäßige Radonbelastung ist in der Regel ein Problem von Aufenthaltsräumen welche an das Erdreich angrenzen. Bei Sanierungen ist es deshalb häufig eine Erstmaßnahme, betroffene Kellerräume umzunutzen, was jedoch den Verlust von Wohnraum bedeutet.

Bei Neubauten ist eine Prävention angemessen, die garantiert, dass auch in unbewohnten Kellerräumen keine übermäßige Radonbelastung auftritt. Ob die Kellerräume ausgebaut werden oder nicht, spielt daher eine geringe Rolle. Für den Fall eines späteren Ausbaus ist so vorgesorgt.

Je nach Radonbelastung bzw. Radonrisiko und je nach baulicher Ausgangslage sollen danach Maßnahmen (konzeptionelle Maßnahmen, Dichtungs- und zuletzt Lüftungsmaßnahmen) zu abgestimmten Paketen zusammengestellt werden.

Radongas als Bestandteil von Bodenluft kann auf zwei Arten in das Gebäude eindringen:

Zum Einen durch Unterschiede in der Radonkonzentration zwischen Erdreich und Gebäudeinneren.

Ein hoher Diffusionswiderstand der Baumaterialien verhindert die Diffusion der radonhaltigen Bodenluft durch die erdberührte Gebäudehülle (dicke Betonplatte, Radonfolien).

Zum Anderen durch einen unterschiedlichen Luftdruck zwischen dem Erdreich und dem Gebäudeinneren (Konvektion).

Durch kleinste Undichtigkeiten in der Gebäudehülle strömt bei einer Unterdrucksituation im Gebäude radonhaltige Bodenluft ins Gebäude ein (Temperaturunterschied, Kaminwirkung, Windanfall).

Da die Diffusion (und auch die Exhalation aus Baustoffen) in der Regel eine untergeordnete Rolle spielt, konzentrieren sich die Maßnahmen auf die Verhinderung des Radoneintritts durch Leckagestellen in den erdreichberührenden Bauteilen.

Das Radonproblem ist eigentlich ein Bauproblem

Undichtigkeiten kommen in unterschiedlichster Art vor:

Risse und Fugen in Böden und Wänden, Durchführungen von Kabeln und Leitungen, Kanalisationsrohre, Bodenschächte und Kontrollöffnungen, Licht- und andere Schächte an Kellerwänden, Kamine und durchlässige Konstruktionen.

Jede Durchdringung der Bauteile gegen das Erdreich hin stellt eine potenzielle Leckstelle für Radon dar, egal ob die Leitungen starr eingegossen oder dauerelastisch abgedichtet werden.

Grundsätzlich ist es ausreichend, die Forderungen der DIN 18 195 bei hoher Bauqualität durchzusetzen. Wenn die heute übliche Bauweise mit Stahlbeton-Bodenplatte und zusätzlicher Abdichtung zur Anwendung kommt, wird ein hoher Radonschutz auch ohne zusätzliche Maßnahmen erreicht. Mehrkosten können in geringem Maße durch erhöhte Qualitätsanforderungen an die Abdichtung von Fugen, Rohr- und Leitungsdurchführungen entstehen. Wird als zusätzliche Sicherung des Gebäudes gegen das Eindringen von radonhaltiger Bodenluft eine Radondränage ergänzt, entstehen für diese Maßnahme Mehrkosten in einem überschaubaren Rahmen. Sollten in Hochrisikogebieten spezielle Abdichtfolien zum Einsatz kommen, sind die Anforderungen der DIN V 20000-202 relevant.

Ähnlich wie andere Spezialelemente am Bau, zum Beispiel die Dämmschicht, sollten die Maßnahmen zum Radonschutz von der Bauleitung und der Bauführung besonders beachtet werden. Zwischenabnahmen von ausgeführten Abdichtungen sollten vorgeschrieben und durchgeführt werden, bevor weitere, zudeckende Arbeiten ausgeführt werden dürfen.

Allein die Messung von Radon nach Abschluss der Arbeiten gibt Aufschluss über den Erfolg.

Fazit: Im Neubau können Mehrkosten für den baulichen Radonschutz nahezu vollständig vermieden werden. Bedingung ist es aber, dass der Radonschutz bereits in einer frühen Planungsphase berücksichtigt, und auf eine hohe Bauqualität geachtet wird.

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